China und das Öl | 10:09 |
Die interne Politik der Kommunistischen Partei Chinas in Sachen Ökonomie ist (wie die meisten Dinge in der Volksrepublik) aufgrund verschiedener Einflüsse recht einfach gestrickt: niedriger Ölpreis ist gut, also billig Öl einkaufen. Schließlich steigt der Bedarf ohnehin und so wird das Wirtschaftswachstum gut und günstig vorangetrieben.
Allerdings gibt es auch in China findige Denker. In einem (weil "zu kompliziert") abgelehnten Policy-Paper eines Professors der namenhaften Renmin University of China wird für eine Einflußnahme Chinas zugunsten eines höheren Ölpreises argumentiert. Aus verschiedenen Gründen war der ungenannte Professor nicht bereit, eine Kopie des Vorschlages herauszugeben. Daher kann hier leider nur eine Zusammenfassung der mündlich vorgetragenen Grundideen geboten werden.
Aus ökonomischer Sicht muß zunächst betrachtet werden, wer die Hauptabnehmer chinesischer Produkte sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um Länder der zweiten und dritten Welt. Zwar nehmen auch Länder der ersten Welt einiges an chinesischen Produkten ab. Hauptsächlich sind es jedoch Entwicklungsländer, die gerne die geringere Qualität bei deutlich geringeren Preisen in Kauf nehmen. Viele dieser Länder sind es jedoch auch, die besonders reich mit natürlichen Ressourcen gesegnet sind. So kauft China also sein Öl im viel in Ländern ein, die im Gegenzug auch in China einkaufen. Ein Ankurbeln der dortigen Wirtschaft würde also zu einer Exportsteigerung chinesischer Produkte führen. Auf diese Weise fließe das für Öl ausgegebene Geld zurück nach China.
Gleichzeitig haben jedoch auch alle anderen Nationen mit dem höheren Ölpreis zu kämpfen. So würde die Entwicklung der Industrienationen gedrosselt und China wäre in der Lage, besser aufzuschließen.
Auch strategisch würde sich China so besser positionieren. Durch die gestärken Wirtschaftsbeziehungen zu einigen der sogenannten "Schurkenstaaten" wäre China der Ansprechpartner für die USA, um auf diese Länder einzuwirken. Da chinesisches Geld dorthin fließt, würden die Schurkenstaaten gestärkt, was sich negativ auf die Sicherheitssituation der USA auswirkt. Da diese von China mittel- bis langfristig als die einzig wirkliche Konkurrenz wahrgenommen werden, läge es also im Interesse der Volksrepublik, die Bedrohung für die USA zumindest indirekt zu erhöhen. Direkt würde China dann als Mittelsmann zwischen den USA und den Schurken fungieren können.
Eine strukturiertere Analyse werde ich hoffentlich in den nächsten Tagen präsentieren können. Dafür und bis dahin würde ich mich über Kommentare, Anmerkungen und vor allem grundlegende Kritik freuen.
