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Die interne Politik der Kommunistischen Partei Chinas in Sachen Ökonomie ist (wie die meisten Dinge in der Volksrepublik) aufgrund verschiedener Einflüsse recht einfach gestrickt: niedriger Ölpreis ist gut, also billig Öl einkaufen. Schließlich steigt der Bedarf ohnehin und so wird das Wirtschaftswachstum gut und günstig vorangetrieben.

Allerdings gibt es auch in China findige Denker. In einem (weil "zu kompliziert") abgelehnten Policy-Paper eines Professors der namenhaften Renmin University of China wird für eine Einflußnahme Chinas zugunsten eines höheren Ölpreises argumentiert. Aus verschiedenen Gründen war der ungenannte Professor nicht bereit, eine Kopie des Vorschlages herauszugeben. Daher kann hier leider nur eine Zusammenfassung der mündlich vorgetragenen Grundideen geboten werden.

Aus ökonomischer Sicht muß zunächst betrachtet werden, wer die Hauptabnehmer chinesischer Produkte sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um Länder der zweiten und dritten Welt. Zwar nehmen auch Länder der ersten Welt einiges an chinesischen Produkten ab. Hauptsächlich sind es jedoch Entwicklungsländer, die gerne die geringere Qualität bei deutlich geringeren Preisen in Kauf nehmen. Viele dieser Länder sind es jedoch auch, die besonders reich mit natürlichen Ressourcen gesegnet sind. So kauft China also sein Öl im viel in Ländern ein, die im Gegenzug auch in China einkaufen. Ein Ankurbeln der dortigen Wirtschaft würde also zu einer Exportsteigerung chinesischer Produkte führen. Auf diese Weise fließe das für Öl ausgegebene Geld zurück nach China.

Gleichzeitig haben jedoch auch alle anderen Nationen mit dem höheren Ölpreis zu kämpfen. So würde die Entwicklung der Industrienationen gedrosselt und China wäre in der Lage, besser aufzuschließen.

Auch strategisch würde sich China so besser positionieren. Durch die gestärken Wirtschaftsbeziehungen zu einigen der sogenannten "Schurkenstaaten" wäre China der Ansprechpartner für die USA, um auf diese Länder einzuwirken. Da chinesisches Geld dorthin fließt, würden die Schurkenstaaten gestärkt, was sich negativ auf die Sicherheitssituation der USA auswirkt. Da diese von China mittel- bis langfristig als die einzig wirkliche Konkurrenz wahrgenommen werden, läge es also im Interesse der Volksrepublik, die Bedrohung für die USA zumindest indirekt zu erhöhen. Direkt würde China dann als Mittelsmann zwischen den USA und den Schurken fungieren können.

Eine strukturiertere Analyse werde ich hoffentlich in den nächsten Tagen präsentieren können. Dafür und bis dahin würde ich mich über Kommentare, Anmerkungen und vor allem grundlegende Kritik freuen.

Ausgelöst durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise sehen viele Wirtschaftswissenschaftler und Regierungen die Gefahr des Protektionismus wieder auferstehen. Jedoch kommt Widerstand gegen auswärtige Produkte derzeit nicht nur von der EU, sondern auch von der Wirtschaft selbst.

Immer mehr europäische Unternehmen wehren sich gegen Anfragen von ausländischen Produzenten. Selbst, wenn diese preislich bessere Angebote machen, so besteht derzeit wenig Interesse, sich auf (profitable) Neuerungen einzulassen. Dies ergab eine eigens durchgeführte Befragung von etwa 40 deutschen Stahlunternehmen. Die Solidarität gilt den inländischen Unternehmen, vielleicht noch den europäischen Nachbarn. Darunter leidet natürlich gerade die Exportnation China, die sich durch besonders preisgünstige Produkte ein Alternativangebot zu qualitativ hochwertigeren, aber auch teureren westlichen Produkten erarbeitet hat.

Durch die Finanzkrise kommt jedoch wieder die Nachbarschaftspflege in vielen mittelständischen unternehmen hoch, die lieber die ihnen bekannten Unternehmen am Leben erhalten wollen. Unterstützt werden sie dabei auch von der EU-Gesetzgebung. Gestern wurden bereits Strafzölle für chinesische Kerzen verkündet, über weitere Zölle für Stahlrohre soll heute entschieden werden.

Es bleibt abzuwarten, ob die "Festung Europa" sich in wirtschaftlicher Hinsicht durch die Krise weiter einigelt. Wenn, dann hat dies hoffentlich wenigstens ein stärkeres Zusammenwachsen der europäischen Gemeinschaft zur Folge.

In seinem 1921 erschienenen Textskizze "Kapitalismus als Religion" versucht der Autor Walter Benjamin, das Religiöse am Kapitalismus darzustellen.Er befindet sich damit in prominenter Gesellschaft. Hatte doch bereits Max Weber im Kapitalismus ein "religiös bedingtes Gebilde" gesehen.

Benjamin bezeichnet den Kapitalismus als einen Kult, dess Streben jedoch nicht im Erschaffen eines würdigen Seins, sondern in dessen Zerstörung läge. Die Verzweiflung würde gewissermaßen "zum religiösen Weltzustand" erhoben.

Trotz dieser düsteren Darstellung lassen sich doch, mit etwas Wohlwollen, Parallelen finden. Die Erbschuld, die abgegolten werden muß steht den Schulden gegenüber, die durch Zinsen und Zinseszinsen anwachsen und getilgt werden müssen. Ebenso weist die Unsichtbarkeit Gottes Ähnlichkeiten mit der unsichtbaren Hand des Marktes auf. Der Theodizee-Frage entsprechend könnte man im Kapitalismus fragen, wie die unsichtbare Hand eine weltweite Finanzkrise zulassen konnte. Schließlich herrschte gerade im Finanzmarkt der "Markt" in Reinform.

Von der Religiosität des Marktes sprechen auch zeitgenössischere Autoren. Peter Ulrich vom Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen bezeichnete es in einem Interview so: "Der Glaube an den Markt hat religiöse Züge angenommen." Und genau dieses scheint nun erschüttert zu sein. So sprach auch die FTD unlängst vom "Blinden Glauben an die Finanzmärkte", oder dem "Dogma des Glaubens an den Markt".

Um den religiösen Bezug zum Kapitalismus noch etwas weiter zu strapazieren, kann man vielleicht vom kommenden Zeitalter der kapitalistischen Aufklärung sprechen. In diesem könnte, frei nach Kant, eine langsame Reform des wirtschaftlichen Denkens einsetzen um die Unmündigkeit des Homo oeconomicus zu beenden und mehr Bewußtsein den eigenen Handlungen gegenüber einführen.

Oder es kommt einfach der Glaube an den Staat wieder auf.

 

Quellen:

Kapitalismus als Religion [1921] - Benjamin, W.: Gesammelte Schriften VI, 1986

Hörisch, Jochen (2009): Geld und Krise, in: Literaturen 1/2 2009, S. 56-59

Ulrich, Peter (1997): "Der Glaube an den Markt hat religiöse Züge angenommen", Interview in: Berner Tagwacht, 19. August 1996

FTD.de: Das Pendel schlägt zurück, 06.03.2009

Die Verchecktheit-Theorie ist im Wesentlichen eine Spielart der Madman-Theory. Anders als bei dieser, wird jedoch nicht die Bereitschaft zu extremem Handeln, sondern die eigene Unfähigkeit zur Schau gestellt. So soll für die Zukunft ein größerer Handlungsspielraum bzw. eine entschuldigende Grundstimmung der eigenen Person gegenüber geschaffen werden.

Vermutlich kennt jeder ein oder zwei Personen in seinem Umfeld, denen gegenüber man nachsichtiger ist. Das können Kinder sein, aber genauso gut auch Freunde von denen man weiß, daß sie ungeschickt oder "etwas schusselig" sind. Hat jemand bereits den Ruf der Unfähigkeit, wird ihm weniger übel genommen. Besonders stark ist dies natürlich bei kleinen Kindern ausgeprägt, von denen (noch) niemand erwartet, daß sie sich überaus fähig anstellen sollen. Es kann jedoch auch von Vorteil sein, sich diesen Schutz wieder anzueignen.

Es ist möglich, sich diesen Bonus wieder zu verschaffen. Dafür muß man allerdings auch auf ein gewisses Maß an Respekt verzichten. Der Gewinn, den man jedoch dadurch erhält, ist das, was Watzlawik als die "Macht der Hilflosigkeit" bezeichnete. Legt man (auch vorgetäuscht) offen, wie wenig man befähigt ist, etwas zu tun, sich an etwas zu erinnern oder dergleichen, gibt man zwar etwas von der eigenen Zurechnungsfähigkeit auf. Allerdings gewinnt man relativ großen Einfluß, denn, wer könnte schon einem Hilflosen gegenüber sauer werden, etwas nicht zu schaffen. Besonders wenn von diesem in der Vergangenheit häufig demonstriert wurde, wie wenig fähig er oder sie ist.

Für den ein oder anderen mag dies durchaus lukrativ erscheinen. Und wer sich diese Form von Macht wünscht, und ggf. sogar anschließend in seinem Umfeld viel Arbeit abgenommen bekommen möchte, sollte sich überlegen, die eigene Unfähigkeit mehr herauszustellen.

Überflüssig zu erwähnen, daß die Menschen, denen gegenüber diese Strategie gefahren werden kann, dem Anwender bereits gewogen sein müssen oder ihm zumindest nicht ausweichen können. Sonst würde man es sich vermutlich zweimal überlegen, sich einen solchen Klotz ans Bein zu binden.

Weiterführende Literatur:

Thomas Schelling: The Strategy of Conflict

Eckard König: Systemisch denken und handeln

Vor 10 Jahren lief in den USA die Erfolgsserie "The West Wing" von Aaron Sorkin an. Als die Serie mit den meisten Auszeichnungen stellt sie meines Erachtens mit das Beste dar, was je im Fernsehen ausgestrahlt würde. Allerdings ist nur wenigen Leuten in Deutschland diese Serie überhaupt bekannt, da sie hier nie im Programm eines Senders auftauchte.

Dies könnte sich nun ändern. Wie DWDL berichtet, wird wohl zumindest überlegt, West Wing auch dem breiten deutschen Publikum nahezubringen. Einziges Problem: die Serie ist zu gut. Da im deutschen Fernsehen derzeit vor allem auf finanzielle und intelektuelle Billigformate gesetzt wird, ist das Zögern bei vielen Sendern groß. Daß dennoch eine gewisse Chance für WW besteht, liegt an der Wahl des neuen US-Präsidenten Barack H. Obama. Durch den ausgiebigen Nominierungswahlkampf und das enorme Interesse der gesamten Wahl ist der Boden für eine Serie wie WW bereitet wie selten zuvor.

Zumal WW die Wahl in gewisser Weise mitgestaltet haben dürfte. Wie der Spiegel schon vor zwei Monaten schrieb, wurde durch Serien wie WW oder auch 24 das Bild des Präsidenten und auch die Anforderungen der Öffentlichkeit an das Amt maßgeblich beeinflußt. Das zeigt sich auch an einem "real West Wing Video", das Ende 2008 auf YouTube erschien, und das WW-Intro auf die Obamaadministration zuschneidet:

 

 

Den Versuch, das West Wing Konzept in Deutschland anzusiedeln, gab es bereits früher schon. Mit "Das Kanzleramt" startete das ZDF eine deutsche Version des West Wings, die jedoch aufgrund von niedrigen Einschaltquoten schon nach der ersten Staffel (zu Recht) eingestellt wurde.

Für Kenner ist West Wing schon länger in Deutschland zu sehen. Bereits seit Mai 2008 ist der Abo Sender Fox Channel in Deutschland verfügbar, auf dem West Wing derzeit ausgestrahlt wird. Jedoch fürchte ich, daß der breiten Masse diese Perle des amerikanischen Fernsehens weiterhin vorenthalten wird. Schließlich wollen die Deutschen lieber sehen, wie C-Promies Insekten essen, als anspruchsvolle Dialoge zwischen ausgezeichneten Schauspielern. Oder, um den Charakter Wes Mendell aus Sorkins Folgeserie "Studio 60" zu zitieren: "We are all being lobotomized by this country’s most influential industry...an industry that has thrown in the towel and doesn’t do anything that doesn’t involve the courting of 12 year old boys, and not even the smart ones, but the idiots."

 

 

Vor einiger Zeit habe ich auf einer Fahrt des Bundespresseamtes in Berlin unter anderem auch das Haus der Wannsee-Konferenz und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (ehem. Zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi) besucht. Dabei habe ich vor allem eines gelernt: es ist viel besser, bei den Tätern als bei den Opfern zu sein, egal ob während oder nach der Herrschaft eines Regimes - zumindest aus wirtschaftlicher Sicht.

Zunächst die Wannsee-Konferenz. Auf dieser Konferenz würde an einem schönen Häuschen am Wannsee bei klirrender Kälte draußen und wohliger Wärme drinnen die Deportation der jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten organisiert und damit die "Endlösung der Judenfrage" einen deutlichen Schritt voran gebracht. Nichts, wofür man sich im Nachhinein irgendwie zu verantworten bräuchte, wie es scheint. Die meisten Teilnehmer überlebten den Krieg zwar nicht, aber bei den anderen würde die Konferenz zumindest nicht als Teil der Anklagen verwendet. Wilhelm Stuckart machte anschließend sogar recht gut Karriere und seine Wittwe erhielt sogar eine gute Pension für die treuen Dienste ihre Mannes für den deutschen Staat. Ja, zu Zeiten der BRD.

In Hohenschönhausen wurden wir von einem ehemaligen Insassen herumgeführt. Der Mann lebt heute zwar nicht unter ähnlichen Bedingunge wie zu seiner Haftzeit, aber großen Luxus kann er sich von seiner Minirente sicher nicht leisten. Sein Fehler war es, für die Zeit der DDR nicht gearbeitet zu haben. Wie auch, schließlich war er damit beschäftigt, Widerstand gegen eine Diktatur zu leisten. Rentable war das nur leider nicht für ihn. Nach seiner Zeit im Gefängnis bekàm er natürlich auch keine Anstellung mehr - wegen seiner Zeit im Gefängnis. Bis zum Zusammenbruch der DDR hatte er also keine Arbeit und zahlte so auch nicht in den (DDR-)Rententopf ein. Seine Aufseher hingegen, wie auch die Verhörer und der Rest des Personals, waren als gute Beamte des Staates natürliche in der glücklichen Lage, ihre Rentenansprüche übernehmen zu können. Es wäre ja schließlich ungerecht, treue Staatsdiener zu benachteiligen, nur weil sie das Pech hatten, einem diktatorischem Regime zu dienen.

Aber so ist das wohl mit dem Widerstand. Langfristig wird "ehrliche" Arbeit belohnt, auch wenn sie darin besteht, Menschen zu deportieren. Wäre die Weiße Rose damals so vorausschauend gewesen (und hätte ihren Tod nicht mit einkalkuliert) hätten die Anfangsworte ihres ersten Flugblattes vermutlich eher gelautet: "Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ‚regieren‘ zu lassen, außer: keine Rentenansprüche zu erarbeiten."

Aber vielleicht ist die wahre Rentenzahlung die, Nachts guten Gewissens schlafen zu können. Aber ich fürchte, das können die Täter auch.

41 Tage vor der Vereidigung von Präsident (elect) Obama kam mir die Frage in den Sinn, wie es in einem religiös geprägten Land wie den USA dazu kommt, daß der Präsident auf Gott bzw. die Bibel vereidigt wird. Diese Frage mag zunächst kontraintuitiv erscheinen, aber laßt mich erklären:

Sicher, die USA sind ein Land, welches, wie die meisten sogenannten westlichen Staaten auf einem judisch-christlichen Werteverständnis gegründet wurde. Das Recht auf Religionsfreiheit gilt als eine der grundlegenden Ausprägungen der freien Meinungsäußerung. Trotz dessen handelt es sich bei den USA um einen weitgehend säkularen Staat. Weigehend deshalb, weil der Präsident bei seiner Vereidigung seine Hand auf die Bibel und nicht beispielsweise auf die Verfassung legt. Auch wenn er rechtlich nicht dazu verpflichtet ist, auf die Bibel vereidigt zu werden, sondern dies auch auf jedem anderen Stück Papier tuen könnte, so ist es doch Tradition. (Es stellt sich allerdings die Frage, ob, würde es sich bei Obama tatsächlich um einen „secred muslim“ handeln, er sich auch auf den Koran vereidigen lassen würde.)

Schon länger jedoch bilden sich religiöse Blocks heraus, die einen stärkeren Einfluß der Religion in den amerikansichen Staat fordern, und dies auch erreichen. Ein deutliches Indiez ist die Redewendung „God bless you and god bless the United States of America.“ Wurden früher Reden noch weniger pathetisch beendet, so gilt inzwischen jedes andere Ende einer Rede als politischer Selbstmord, der vermutlich eine Frage nach den religiösen Überzeugungen des Sprechers nach sich ziehen würde.

Daß bei all dieser Religionsverbundenheit jedoch dem, worum es diesen Menschen angeblich zu gehen scheint, nämlich der Bibel bzw. dem Wort Jesu Christi, so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, muß überraschen. Denn schließlich steht geschrieben: „Schwört überhaupt nicht [...]. Euer Ja sei sein Ja, und Euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ (Mt 5,33-37)

Unter dem Licht dieses Zitates müßte man eigentlich Bundeskanzler Schröder, der sich weigerte, den traditionellen Amtseid mit “So wahr mir Gott helfe” zu beenden, zu seiner Bibeltreue beglückwünschen. Er ist derjenige, der sich eigentlich nach dem Worte Christi verhalten hat. Zumindest in diesem Punkt, und wohl auch nicht absichtlich.

Wie kommt es nun also, daß der Präsident auf die Bibel vereidigt wird? Ist es nicht völlig widersinnig, auf ein Buch zu schwören, das den eigenen Gläubigen, die diesem Buch seine Bedeutung mitverleihen, eigentlich verbietet zu schwören? Welche Bedeutung hat so ein Schwur dann überhaupt? Natürlich kann man sagen, daß es sich dabei ohnehin nur um eine Show handelt, und die rechtliche Bedeutung nichts mit der religiösen zu tun hat. Sollten nicht gerade in den USA genug Leute existieren, die um dieses Zitat wissen?

Aber vermutlich ist in solchen Angelegenheiten vor allem eines notwendig: Gleichmut. Nicht der Gleichmut, mit dem radikale Religiöse das ignorieren, wofür sie zu kämpfen vorgeben. Sondern der Gleichmut, mit dem der (fiktive) Präsident Bartlet eine Frage seines Assistenten nach der Vereinbarkeit von Säkularisierung und der Roten Messe (West Wing, Folge 4x04) beantwortete: „How isn't it a constitutional issue? It is, but sometimes you say, 'Big Deal'.“

 

 Wir spielen jetzt ein kleines Spiel.

Instructions / Anleitung:


- Grab the nearest book. / Greif Dir das nächst erreichbare Buch.

- Open it to page 56. / Schlage Seite 56 auf.

- Find the fifth sentence. / Finde den fünften Satz.

- Post the text of the sentence in your journal along with these instructions. / Veröffentliche den Text des Satzes in Deinem Blog zusammen mit dieser Anleitung.

- Don’t dig for your favorite book, the cool book, or the intellectual one: pick the CLOSEST. / Greif nicht Dein Lieblingsbuch oder ein cooles Buch oder ein intellektuelles: Nimm das, das Dir am nächsten ist.

Und hier mein Ergebnis:

The Tao of Deception

Some of them well cohere with Spring and Autumn inceptions characterized as unorthodox by later writers, others appear truly revolutionary and are therefore often cited as reflecting Warring States developments.

Via Doener

 

Im Jahre 1989 rief Francis Fukuyama in The National Interest das Ende der Geschichte aus. Kommunismus und Faschismus würden überwunden werden, der Liberalismus die Welt beherrschen und so als letzte Synthese der Weltpolitik gelten.

1998 erschien der Film "The Truman Show" mit Jim Carrey in den Kinos. Der Protagonist Truman lebt in einer für ihn konzipierten Scheinwelt, und wird bei seinem täglichen Leben von Millarden von Menschen als Fernsehprogramm, eben der "Truman Show" gesehen.

Eigentlich könnte man denken, daß diese beiden Werke nicht viel miteinander zu tun haben. Betrachtet man jedoch den Film durch Fukuyamas Brille, werden einem nicht nur die Parallelen offenkundig, man erhält auch eine bessere Vorstellung von dem, worüber Fukuyama schreibt bzw. was er prophezeit.

Fukuyama sieht den Endpunkt der Geschichte als sehr langweilige Situation, aus der nach jahrhunderten vielleicht die Geschichte doch wieder gestartet wird. In diesem Zustand der Langeweile befindet sich das Publikum in der Truman Show. Es lebt gewissermaßen in der geschichtslosen Welt, im Dauerzustand der Langeweile. Jeder kennt alles von Truman, besitzt sogar Videos mit Bonusmaterial, und guckt trotzdem Truman dabei zu, wie dieser vor dem Spiegel steht und Grimassen oder Fingernägel schneidet. Die einzige Person, die tatsächlich politisch agiert oder zumindest so auftritt, ist Lauren (Sylvia). Die Frau die versucht, auf Trumans missliche Situation aufmerksam zu machen.

Aber auch Truman selbst befindet sich im Zustand der Langeweile. Er lebt jeden Tag gleich, behütet in einer Scheinwelt, einer amerikanischen Kleinstadt der 50er Jahre nachempfunden. Erst als Dinge schieflaufen, und damit endlich auch bei Truman tatsächliches Handeln provozieren, ändert sich dieser Zustand. Die Langeweile wird beendet, durch den Befreiungskampf Trumans gegen die um ihn geschaffene Kunstwelt, und damit auch gegen den Produzenten Christof.

Christof hat diese Scheinwelt für Truman kreiert. Eine Welt, in der, zumindest scheinbar, alle Bedürfnisse Trumans erfüllt werden. Christof stellt aus Sicht dieser Interpretation den Kommunismus dar, der sich schließlich im Kampf mit dem vom Freiheitsstreben erfüllt Truman befindet, der natürlich den Liberalismus verkörpert. Das Serienkonzept selbst hingegen stellt bereits den ökonomischen Sieg des Liberalismus dar. Ohne Werbeunterbrechungen, aber durch Product Placement in alltägliche Gespräche mit Freunden oder auch seiner Frau wird nicht nur Trumans Leben ständig und aufdringlich vom Konsum beeinflußt. Das ganze ist so erfolgreich, daß die Show Einnahmen hat, "die dem BSP eines kleinen Staates entsprechen".

Christof versorgt Truman mit den Dingen, die er, Christof, für Truman als gut ansieht. Er gibt ihm das, was Truman braucht, aber nicht, was Truman möchte. Bereits seit frühester Kindheit möchte Truman Entdecker werden. Diesem Drang wird aber von seiten der Serie ein Riegel vorgeschoben, es wird sogar absichtlich ein Trauma bei Truman hervorgerufen, um ihn nur ja von seinem Freiheitsdrang abzuhalten. Stattdessen arbeitet er in einem netten Büro. Auch eine Frau hat Truman. Eine nette, fürsorgliche Ehefrau, mit der es ihm gut geht. Die Frau die er aber eigentlich liebt (Sylvia), wurde aus der Serie heraus entführt.

Schließlich setzt sich aber der Freiheitskampf Trumans durch. Er entscheidet sich für die Selbstbestimmtheit und gegen die Sicherheit und Einflußnahme von anderen. Der Liberalismus hat sich durchgesetzt, und damit den ideologischen Kampf gewonnen, der in den letzten Tagen der Serie so sehr die Zuschauer gefesselt hat. Deren Konsequenz ist aber nicht, sich nun ihrem eigenen Leben zuzuwenden. Die Konsequenz lautet: "Was läuft denn sonst noch?".

Immer häufiger taucht er in Film und Fernsehen auf: der Geek. Wo seine Rolle bis vor kurzem noch auf den Nebenpart der technischen Unterstützung beschränkt war, zeichnet sich langsam ein neues Bild ab: der Geek ist begehrenswert.

Wissen ist Macht und Macht ist sexy. Und wer hat im Informationszeitalter mehr machtvolles Wissen als der Geek? Auch die alten Actionhelden beugen sich dieser Entwicklung. Besonders stark wird dies bei dem Film "Stirb langsam 4.0" deutlich. War es bisher so, daß John McClane immer alleine loszog um die Welt, oder zumindest ein Familienmitglied zu retten, findet er sich nun kaum noch zurecht. "Ein analoger Held in einer digitalen Welt." Seine Leistungen kann er nur mit Hilfe des Programmierers Matt Farrell vollbringen. Dieser wird allerdings, und hier liegt der entscheidende unterschied zu älteren Geekdarstellungen, nicht im entscheidenden Moment auf die Zuschauerbank versetzt, sondern ist unentbehrlicher Teil des Rettungsteams. Außerdem bekommt er am Ende die Tochter von McClane.

Dieser Film ist da kein Einzelfall. Immer mehr Sendungen widmen sich dem Geek in einer positiven Form. Die amerikanische Reality-Sendung "Beauty and the Geek" zeigte mehr als einmal, daß auch ein Geek eine Frau abbekommen kann, die wie ein Model aussieht. Und es geht weiter. "Big Bang Theory" dreht sich um eine Gruppe von Geeks, von denen einer die schöne Nachbarin bekommt. Sie entscheidet sich gegen den muskelbepackten Ex-Freund und für den intelligenten und aufrichtigen Geek.

Bis vor kurzem mußten Geeks noch mit Aussagen wie "Geek dudes rule, because other women will tend not to steal them." für sich werben. Aber mit der Ausweitung der positiven Darstellung des Geeks werden solche und ähnliche Argumente des "Girl's Guide to Geek Guys." bald hinter Gründe wie "Sexyness" und "Weltenrettungspotential" in den Hintergrund treten.

Noch in der britischen Serie "The IT-Crowd" wurden die beiden Hauptdarsteller als (liebenswerte) Verlierer dargestellt. Aber die aktuelle amerikanische Serie "Chuck" geht mit ihrem Protagonisten ebenfalls den Weg des liebenswerten, geekigen aber trotzdem von der blonden CIA-Agentin begehrten Kerl. "Sometimes the geek gets the girl.", heißt es dort.

Solch ein Siegeszug erfordert natürlich auch eine entsprechende Hymne. Hätte man bis vor kurzem noch "White and nerdy" von Weird al Yankovic als solche nehmen müssen, liegt doch inzwischen mit "Heil to the geek" von den Deaf Pedestrians ein deutlich positives Stück vor, welches die neue Stellung des Geek besser gerecht wird: "It's good to be a Geek!"

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